HDH: „Niedersächsischer Weg“ ist eine Sackgasse

Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des HDH, warnt vor einem Vertrauensverlust in die Politik.

Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) kritisiert das einseitige Abkommen „Niedersächsischer Weg“ unter Ministerpräsident Stephan-Peter Weil scharf. Die rot-schwarze Landesregierung einigte sich Ende Mai mit dem Bauernverband und den Naturschutzverbänden NABU und BUND auf gemeinsame Ziele des Natur- und Artenschutzes. Das ohne die Waldbesitzerverbände abgestimmte Abkommen könnte erheblichen Einfluss auf die künftige regionale Rohstoffversorgung der Industrie haben. Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des HDH, warnt vor einem Vertrauensverlust in die Politik.

„Grob fahrlässig und letztlich undemokratisch“ sei das Abkommen, so Ohnesorge. Es führe nicht zu mehr Akzeptanz für notwendige Naturschutzmaßnahmen im Wald, sondern spalte die Gesellschaft. Politik sollte in einer Demokratie den Ausgleich der Interessengruppen suchen – hier höre sie nicht die Betroffenen, sondern entscheide über deren Köpfe hinweg. Im Ergebnis führe das Abkommen auch dazu, dass sich in Niedersachsen umwelt- und klimapolitische Ziele der Waldbewirtschaftung und Holznutzung nicht mehr miteinander vereinbaren lassen: „Wie soll der klimafreundliche Baustoff Holz aus der Region vermehrt eingesetzt werden, wenn die Landesregierung von März bis August den Holzeinschlag in wesentlichen Teilen des Landes einschränken will?“

Der HDH-Hauptgeschäftsführer erinnert daran, dass sich der Niedersächsische Bauminister Olaf Lies mit Vertretern anderer Bundesländer im September 2019 im Rahmen der Bauministerkonferenz öffentlichkeitswirksam zur klimafreundlichen Holzbauweise bekannt und hierfür gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Babara Otte-Kienast anlässlich der „Bionale“-Eröffnung geworben hatte. „Das seit mehr als 25 Jahren erfolgreiche Programm zur ‚Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung‘ (LÖWE) für die Niedersächsischen Landesforsten zeigt, dass sich Waldbewirtschaftung und Naturschutz miteinander vereinbaren lassen. Das Programm ist weit über die Landesgrenzen in Forst- und Holzwirtschaft akzeptiert und wird breit unterstützt. Dies durch eine solch unüberlegte Aktion der Landesregierung zu gefährden, wirft den Naturschutz und die Waldwirtschaft um Jahre zurück.“

Hintergrund

Die Ziele des Abkommens betreffen nicht nur den Landeswald, sondern auch den Privatwald. So dürfen der Übereinkunft nach, künftig nur noch europäische Baumarten gefördert werden, trockenresistente Baumarten aus Übersee trotz des Klimawandels aber nicht. Da auch in Deutschland mit einer deutlichen Erwärmung der Jahresdurchschnittstemperaturen gerechnet wird, suchen die Waldbesitzer nach geeigneten Baumarten, die auch im Jahr 2100 noch stabile Waldökosysteme bilden. Dazu brauche es eine Vielfalt und auch fremdländische Baumarten, die aus wärmeren Ländern stammen.